Salamander 1: der Mythos

Salamander - The Myth
Michael Maier, Salamander, 1617, Engraving in “Atalanta fugis”.

Seit der Antike verkörpert dieser kleine, schwarz-gelb gefleckte Amphibien die außergewöhnliche Tugend, der zerstörerischen Kraft des Feuers unversehrt zu widerstehen. Ein kaltblütiges Wesen und Liebhaber feuchter Umgebungen, soll es sich angeblich von Flammen ernähren, um sich zu wärmen.

Zudem sondert der Salamander, wenn er bedroht wird, durch seine Giftdrüsen eine Flüssigkeit ab, die beim Angreifer sofort eine Entzündung hervorrufen kann—eine Eigenschaft, die seine symbolische Verbindung zum Feuer im Laufe der Zeit verstärkte.

Im Mittelalter wurde das Feuer, insbesondere der Scheiterhaufen, zur Waffe, mit der die Körper und Seelen der Sünder verbrannt wurden, um sie von dem Bösen zu reinigen, das ihr Leben verderbt hatte. Der Salamander, der dem Feuer jedoch trotzt, wurde in mittelalterlichen Bestiarien mit dem Mut jener verbunden, die freiwillig ihre irdischen Leidenschaften ersticken und sich für ein tugendhaftes Leben als guter Christ entscheiden.

Mit der Renaissance bereicherte sich das Symbol des Salamanders um neue Bedeutungen. In der körperlichen Liebe, die oft als verzehrendes Feuer dargestellt wird, erkennt man nicht mehr nur die Sünde, sondern auch die Zerbrechlichkeit der menschlichen Natur, die ihrem Bann nicht entkommen kann. Der Liebende kann diesem feurigen Begehren, das ihn umhüllt, verbrennt und verzehrt, nicht widerstehen; er nährt sich davon, zwischen Qual und Freude zerrissen. Der Wunsch, sich in dieser grausamen und süßen Qual zu sonnen, findet in der Poesie einen seiner kühnsten Ausdrücke und wird im Symbol des Salamanders sublimiert.

In den kommenden Artikeln werde ich Sie durch drei Darstellungen des Salamanders führen: in der Kunst, der Skulptur und der Poesie der venezianischen Renaissance, verbunden durch einen roten Faden—den Faden der leidenschaftlichen Liebe—der sie alle miteinander verknüpft.

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