Wehrlose Körper: Jenny Saville in Ca' Pesaro

Wenn mich bei dieser Ausstellung etwas unvorbereitet getroffen hat, dann war es das Format. In den weitläufigen Sälen des Ca' Pesaro fühlte ich mich außer Proportion vor diesen drei- bis vier Meter großen Leinwänden, auf denen der Blick an den nackten Körpern emporklimmen musste — überbordend und unvollkommen.

Eine Frau gräbt die Finger in das mürbe Fleisch unverhältnismäßig großer, kraftvoller Oberschenkel; eine andere hat eine weiche, hängende Brust und eine kleine, feste; ein Arm ist geschwollen und krank. Dass es sich dabei um verschiedene Körper handeln mag, zusammengesetzt wie eine Collage, macht es nicht weniger beunruhigend.

In anderen Werken vervielfältigen sich die Körper, verschlingen sich ineinander, verschmelzen: Wo endet ein Bein, wo fällt ein Arm hin.

Drei adipöse Körper, übereinandergestapelt, mit einer Schnur zusammengebunden, wirken wie auf einem Tresen ausgestellt. Der Pinselstrich ist dicht, pastos — er lässt das fleischige Volumen erzittern.

Diese fetten Körper, verletzlich in ihrer Überfülle, weit entfernt von jeder ästhetischen Norm, werden schutzlos ausgestellt.

In den Porträtsälen schaut uns immer dasselbe Gesicht an: große Manga-Augen, weiche Lippen — doch dieses schöne Gesicht wird durch die Malerei brutalisiert. Rot- und Blautöne lassen geschwollene Lippen, Blutergüsse auf den Wangenknochen, Hämatome auf der Haut hervortreten. Die von Tränen geröteten Augen sind stets leicht aufgerissen und unsicher, als begriffen sie die Gewalt nicht, die sie getroffen hat.

Die Farbe ist mal schwer, mit dem Spachtel aufgetragen, mal abgekratzt oder fadenartig. Alles, was unter der glatten Oberfläche der Haut verborgen liegt, scheint nach außen drängen zu wollen: Fleisch, Blut, Faszien, Fasern, Nerven. Die Oberfläche der Leinwand pulsiert.

Dieses Gesicht — so schön, so wehrlos — sieht aus, als hätte es Faustschläge erhalten.

Und dennoch, auch wenn die Emotion einen zu überwältigen droht, spürt man, dass Saville vollständig im Malprozess verankert ist. Nicht nur als Erkundung ihrer Mittel — die Farbe, die Läufer, die Kratzer, die Spuren — sondern indem sie sich selbst porträtiert. Saville ist zugleich Modell, Schöpferin und Betrachterin.

Es ist nicht die Selbsterforschung, die sie interessiert, sagt die Künstlerin, sondern ihr eigenes Gesicht und ihren Körper — fotografiert und vergrößert — als Instrument zu nutzen, um etwas Tieferem nachzuspüren. „Schönheit macht mir Angst", gesteht sie; sie fürchtet, ihr Werk könnte „nicht ernst genommen werden" oder „sentimental" wirken.

Der Dialog mit den großen Meistern der Vergangenheit ist explizit und bewusst: Cy Twombly, Lucien Freud, Kokoschka. Wenn ich einen wählen müsste, würde ich Kokoschka wählen — wegen der aufgeladenen, nervösen Palette.

Im Saal der Pietàs sind die Körper in einer letzten Umarmung aufgegeben. Die Farbe zieht sich zurück — außer bei einer großen Madonna auf Goldgrund, einer Hommage an die byzantinische und venezianische Malerei.

Venedig — eine Stadt, in die sie oft zurückkehrt — ist in ihrem Werk auch durch die venezianischen Meister präsent, die die Künstlerin betrachtet, studiert und verarbeitet.

Die letzten beiden Werke sind eine Hommage an Tizian. Venus und Adonis gibt ihr die Gelegenheit, zu den ineinander verschlungenen Körpern zurückzukehren; im Hintergrund fügt sie diesmal die Berge des Cadore hinzu. Von der Danaë — der Nymphe, die Jupiter in einem goldenen Regen besitzt — bleibt wenig von jener idealisierten Schönheit. Eine rundliche Frau, die sich der Lebensmitte nähert, mit roten Haaren, schaut den Betrachter an: vielleicht müde, vielleicht gleichgültig gegenüber ihrer eigenen Zurschaustellung.

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